****** Wer Neil Young noch nie leiden konnte, sollte nicht meinen, ihn auf der neuen CD für sich entdecken zu müssen. Seine unverkennbar wimmernde Stimme hat sich so wenig verändert wie seine genial gestümperten Gitarrensoli. Überraschend ist, daß Neil Young nach über zwei Jahrzehnten ununterbrochenen schöpferischen und produktiven Schaffens nicht die geringsten Ausfallserscheinungen erkennen läßt. Im Gegenteil: Wer die neue CD hört muß anerkennend feststellen, daß seine Kompositionen unverbraucht und abwechslungsreich klingen, ja, er parodiert sogar munter drauf los wie z.B. bei "Piece of Crap", einer wilden Mischung aus typischen Rolling Stones-Riffs und Post-Punk-Gesang oder wie bei "Blue Eden", einem futuristisch verfremdeten Nebelhorn-Blues. Ansonsten aber greift die Platte konsequent auf Altbewährtes zurück. So könnten "My Heart" und "Trans Am" direkt von der 15 Jahre zurückliegenden LP "Zuma" entnommen sein, während "Driveby" der Heart-of-Gold-Ära entstammen könnte. Das gleiche gilt für "Change Your Mind", ein 15-Minuten-Stück, das im Wesentlichen aus endlosen Soli über die Akkorde A-Moll und F-Dur besteht, mithin ein Zwillingsbruder von dem 1972er "Harvest"-Klassiker "Words". Neu ist, daß Neil Young höchst ungewohnte Instrumente zum Einsatz kommen läßt, so z.B. eine avantgardistisch schräge Flöte, eine Marimba, ein uralt-verstimmtes Barklavier. Insgesamt klingt die Platte wie eine gut zusammengestellte "Best of"-Kompilation ohne ein einziges der alten Stücke. Ein Album, das unter Neil Young-Anhängern Klassiker-Status anmelden darf. |